Katja Wildermuth, Intendantin des Bayrischen Rundfunks

Dringende Empfehlung des BR: Filmt nur noch geimpfte Protagonisten

BR-Intendantin Dr. Katja Wildermuth | Bild: BR/Markus Konvalin

München – Der Bayrische Rundfunk (BR) empfiehlt seinen Mitarbeitern als Corona-Maßnahme für Außenproduktionen, möglichst geimpfte Protagonisten zu wählen. Eine diesbezügliche hausinterne Email des BR an seine Mitarbeiter veröffentlichte der Journalist Markus Langemann am Dienstag auf seiner Seite „Club der klaren Worte“, Betreff: „Infektionsschutz an Drehorten“. In der als „dringenden Empfehlung“ formulierten Maßnahme heißt es im zweiten von vier Punkten: „Möglichst nur die Wahl von Protagonisten, die geimpft sind (außer wenn z.B. geimpft zu sein thematisch relevant ist).“ Wie der BR mit Genesenen umgehen will (2G-Regel) oder sogar auf eine 1G-Regel abzielt (nur Geimpfte), geht aus dieser Empfehlung nicht deutlich hervor.

Als weitere Maßnahmen empfiehlt der BR weiterhin,

  • Drehorte nach draußen zu verlegen,
  • Drehsituationen, in denen keine Kontrolle über Impfstatus oder Verhalten der Anwesenden besteht, zum Beispiel viele Menschen in Innenräumen, zu vermeiden,
  • sowie FFP2-Maske zu tragen, außer, es sei „filmisch erforderlich“.

Langemann: Dringende Empfehlung der größte Skandal in der Geschichte der ARD

Langemann schlussfolgert auf seiner Seite: „Das bedeutet, es kommen nach jener dringenden Empfehlung nur noch geimpfte Menschen im Bayerischen Fernsehen, also dieser ARD-Anstalt, zu Wort. Es sei denn, es geht in dem Beitrag bei den Menschen, über die berichtet wird, ausschließlich um ihre Eigenschaft als ungeimpfte Personen.“ Er befürchtet den größten Skandal in der Geschichte der ARD, denn „kritische Stimmen zur politischen Situation werden ab sofort beim Bayerischen Rundfunk demnach nicht mehr erhört, sofern sie ungeimpft sind.“ Für den Zuschauer bedeute dies, dass die Berichterstattung „nur noch konformistisch erfolgen“ solle. Laut Langemann hat der BR eine rote Linie überschritten, die mit seriösen Journalismus nichts mehr zu tun hat. Er sieht „Gefahr in Verzug“.

Auch der Journalist Boris Reitschuster kommentiert die „dringende Empfehlung“ ähnlich: „Konkret hieße das, dass beispielsweise eine Sahra Wagenknecht – nach Selbstbekunden ungeimpft – aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen faktisch ausgeschlossen wäre, wenn weitere Sendeanstalten mitziehen. Und auch mit Test fände Wagenknecht vor den Kameras nicht mehr statt. Darüber hinaus betrifft es jeden einzelnen der Millionen Ungeimpften im Deutschland – dafür muss man nicht prominent sein.“

BR: Auch Ungeimpfte werden berücksichtigt

Der BR antwortete auf eine Anfrage von Zeitkommentare zu den Vorwürfen, er werde weiterhin uneingeschränkt über alle Aspekte der Corona-Pandemie berichten. „Natürlich werden dabei auch die Positionen von Impf-Skeptikern bzw. -gegnern berücksichtigt.“ Auch Ungeimpfte würden interviewt. Im Sinne der Fürsorgepflicht und des Gesundheitsschutzes habe der Produktionsbereich des BR aber diese Vorsichtsmaßnahme empfohlen. Welche Personen für eine Berichterstattung interviewt werden, entschieden allein die Redaktionen.

Infektionsgeschehen im BR

Der Hauptgrund für die empfohlene Maßnahme dürfte sein, dass der BR „einen besorgniserregenden Anstieg von Corona-Infektionen in der Belegschaft, verbunden mit Quarantänemaßnahmen und Mehrbelastung“ feststelle. In Bayern gilt bereits seit dem 24. November die 3G-Regel am Arbeitsplatz. Nicht geimpfte Mitarbeiter müssen sich täglich testen. Es ist zu vermuten, dass deswegen wie in anderen Betrieben auch der deutlich größere Anteil der BR-Mitarbeiter geimpft ist. Auf genauere Rückfrage von Zeitkommentare zur Einordnung, wie viele der Infizierten geimpft und ungeimpft sind, antwortete der BR allgemein: „Wir erheben und veröffentlichen hierzu keine detaillierten Zahlen. Das Infektionsgeschehen im BR verläuft nach unserem Eindruck im Rahmen der bayerischen Gesamtentwicklung.“ Wie „im Rahmen der bayrischen Gesamtentwicklung“ genau zu verstehen ist, bleibt unklar.

In Bayern werden laut aktuellen Recherchen der WELT auf das Coronavirus positiv Getestete mit unklarem Impfstatus automatisch in die Statistik für Ungeimpfte gerechnet. Und diese Personen mit unklaren Impfstatus machten dabei rund 70% der Ungeimpften-Inzidenz aus. Deswegen steht in Frage, ob die mutmaßliche „Pandemie der Ungeimpften“, mit der der Staat scharfe Einschränkungen der bürgerlichen Grundfreiheiten rechtfertigt, zutrifft oder auf falschen Zahlen basiert. Die bayrische FDP spricht von manipulierten Zahlen und fordert von der bayrischen Staatskanzlei lückenlose Aufklärung.

Der Hessische Rundfunk sowie der Westdeutsche Rundfunk teilte Zeitkommentare auf Anfrage derweil mit, dass eine ähnliche dringende Empfehlung wie beim BR in ihren ARD-Anstalten nicht existiere (HR und WDR) und auch nicht geplant sei (nur HR). Für den NDR „spielt der Impfstatus einer/eines Gesprächspartners/-partnerin keine Rolle“, wie es auf Anfrage hieß.


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Ein Kommentar

  • Wozu gibt die BR-Chefin denn sonst solcherlei Anregungen, wenn nicht, um die widersinnige Spaltung in der Gesellschaft weiter zu verschärfen? Hört/liest Otto Normalbürger und Otto Sendermitarbeiter noch nicht genügend Verhaltensmaßregeln, sodass er in seinem Sender nochmalig „zur Vorsicht” gemahnt werden muss? Kann man noch plumper die wahren Beweggründe für seine dümmliche Bescheidung im nachhinein umdrehen wollen?

    Mal sehn, was noch für Scheiße aus Matschhirnen gepresst und uns als Gesundkost verkauft wird.

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