Aktivistin für Frauenrechte von "Terrre des Femmes".

„Trans“-Streit spaltet Frauenrechtsarbeit von TDF

Die Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ (TDF) verabschiedete im September 2020 auf der Mitfrauenversammlung ein Positionspapier zu „Transgender, Selbstbestimmung und Geschlecht“. Anfang August 2022 distanzierte sich der Vorstand der Organisation wieder von dem Papier, zog es zurück und entfernte es ohne demokratische Abstimmung der Mitfrauenversammlung von der Webseite. Was ist passiert?

Politisch gut vernetzte „Transgender“-Beeinflusser liefen Sturm gegen das Papier. Die Kritik: TDF definiere echte Frauen als „Personen des weiblichen Geschlechts“, setze Frauen mit dem biologischen Geschlecht gleich und spreche „Trans“-Personen nur ein „empfundenes Geschlecht“ zu. So beklagte die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.: „Ist eine Frau nur dann als Frau akzeptiert, wenn sie Gebärmutter und Eierstöcke hat und gebärfähig ist? Was ist das für ein Menschenbild?“ Da half es TDF auch nicht, dass sich die Frauenrechtlerinnen im Positionspapier mit der LBBTQI+ Gemeinschaft solidarisch erklären, „an ihrer Seite stehen“ und „für ihre gesellschaftliche Akzeptanz kämpfen“ wollen.

Der Gegenwind durch „Trans“-Aktivisten wurde so stark, dass der Vorstand der Frauenrechtsorganisation ihre Entscheidung damit begründet, „immensen Schaden vom Verein abzuhalten“. Der Verein sei „mit den heftigsten Vorwürfen“ einer vermeintlichen Transfeindlichkeit konfrontiert worden, welcher „mit keinem Argument mehr zu begegnen“ sei; Kooperationen und wichtige Bündnisse seien aufgekündigt worden und Kampagnen müssten abgebrochen werden. Seit dem Papier habe der gute, absolut integere und professionelle Ruf von TDF gelitten. Die Positionierung sei erfolgt „ohne fundierte wissenschaftliche Expertise und ohne Erfahrungswissen von Betroffenen und Mitarbeiterinnen in Mädchen- und Frauenschutzeinrichtungen“ und sei von vulnerablen Gruppen „als verletzend und diskriminierend“ wahrgenommen worden. Das bedauere der Vorstand sehr.

Streit um „Trans“-Geschlecht spaltet den Verein

Der ganze Vorstand? Nein, eine der Vorstandsfrauen verweigerte ihre Unterstützung und fordert nun aufgrund des Vorfalls den Rücktritt des Vorstandes. Inge Bell äußerte sich dazu im Interview mit dem Monatsmagazin „Cicero“. Der Druck auf TDF durch Stimmungsmache und Hetze in den sozialen Medien auf den TDF-Vorstand sei immer stärker geworden. Bei Aktionstagen und in der Öffentlichkeitsarbeit seien Mitfrauen beschimpft, angefeindet oder sogar körperlich angegriffen worden. Unter diesem Druck hätten drei von fünf Vorstandsfrauen – zwei Vorstandsfrauen zusammen mit der Geschäftsführerin (Christa Stolle) – „satzungswidrig und rechtswidrig“ beschlossen, das Positionspapier zurückzuziehen. Wie Bell sagt, haben sich gegen die Entscheidung inzwischen rund 150 Mitfrauen aktiv zusammengeschlossen. Die Frauen möchten ein Fünftel der 2400 TDF-Mitglieder für ein Minderheitenbegehren mobilisieren. Ziel: Rücktritt des Vorstandes und Konsequenzen für die Geschäftsführung, und das Positionspapier solle wieder auf der Webseite veröffentlicht werden, da es nach zwei demokratischen Wahlen nach wie vor in Kraft sei.

Laut der Feministin Bell war Frauenrechtsarbeit „noch nie leicht, und Terre des Femmes hat sich keinen Wellness-Feminismus auf die Fahnen geschrieben“. Starken Gegenwind erfahre TDF auch für ihre Positionierungen zur Freierbestrafung in der Prostitution (Equality Model) und zum Verbot des muslimischen Kopftuches in Kitas und Schulen. Dass sich einige „Trans“-Personen und -Gruppierungen vom TDF-Positionspapier „verletzt und diskriminiert“ vorkommen, ist für Bell kein Argument: „Wenn wir deswegen ein Positionspapier zurückziehen, dann können wir auch gleich den Kampf gegen das Kinderkopftuch aufgeben und die Forderung nach dem Equality Model. Weil sich bei all dem immer Leute diskriminiert oder verletzt fühlen.“

Der TDF-Vorstand entgegnet dagegen in einer Stellungnahme, Bell betreibe eine „aggressive, öffentliche und vereinsschädigende Kampagne“ gegen den Verein. Sie versuche, ihre Sichtweise von TDF durchzusetzen und Frauen von „Trans“-Frauen klar abzugrenzen. Sie werde unterstützt von „radikalen Frauen“ und auch Männern, die „Trans“-Frauen ablehnten.

„Trans“-Streit behindert die Arbeit

Der Konflikt um die „Trans“-Geschlechtlichkeit geht inzwischen so weit, dass die eigentliche Frauenarbeit darunter leidet. Da ist sich der zerstrittene Vorstand von TDF einig.

Für Bell und das zurückgezogene Positionspapier von 2020 ist der Grund für Diskriminierung von Mädchen und Frauen ihre Zugehörigkeit zum weiblichen biologischen Geschlecht. Darum fokussiere sich die Arbeit von TDF auch auf biologische Frauen. Seit Aufkommen der politisch einflussreichen Trans-Ideologie ist das Kernanliegen von Frauenrechtlerinnen – der Kampf für Frauenrechte – aber erschwert. Nun dominiert der äußere Vorwurf und innere Streit: Wann ist eine Frau eine Frau, und wie stehen die Frauenrechtlerinnen zu „Trans“-Personen? Auch der TDF-Vorstand bemerkte, durch die Vorwürfe einer vermeintlichen „Transfeindlichkeit“ leiden indirekt auch Betroffene häuslicher und sexueller Gewalt, Prostituierte sowie Früh- und Zwangsverheiratete.

Dieser Konflikt wird leider zum Schaden der unterdrückten Mädchen und Frauen geführt. Und er wurde letztlich ausgelöst durch eine Gruppe von „Trans“-Personen, die sich nicht als „echte Frauen“ akzeptiert sehen.

Titelfoto: TERRE DES FEMMES/Martin Funck

Zwangsverheiratung eines jungen Mädchen.
Zwangsverheiratung eines jungen Mädchens. Symbolbild: TERRE DES FEMMES

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