Stuttgart: Straßenprediger von aufgebrachter Menge bedroht

Symbolbild: Monika Robak von Pixabay

Stuttgart – Ein christlicher Straßenprediger wurde während einer öffentlichen Straßenpredigt über die Gottheit Christi am Schloßplatz in der Fußgängerzone Stuttgarts am 3. März 2021 von einer aufgebrachten Menge beleidigt und aggressiv bedroht.

Salih (34 Jahre), der aus Sicherheitsgründen nur seinen Vornamen nennen möchte, sagte gegenüber „Zeitkommentare“, es hätten sich etwa 50 Passanten und Schaulustige versammelt. Bereits vor der Predigt hätten Anhänger der „Kirche des Allmächtigen Gottes“, einer Neuoffenbarer-Gemeinschaft chinesischer Herkunft, mit ihm und seinem Missionsteam gestritten.

Sie hätten während Salihs Predigt vornehmlich junge muslimische Passanten „aufgestachelt“, so dass die Stimmung sehr laut und aggressiv geworden sei. So hätte sich paar Meter neben Salih auch ein Mann die Jacke ausgezogen und bedrohlich gerufen: „Pass auf, ich komme gleich zu dir!“ und sich „vor Wut auf die Faust gebissen“. Auch andere junge Männer seien bedrohlich auf ihn zugerannt und erst einen Meter vor ihm stehen geblieben. Salih gibt an, er habe „trotz Angst“ einfach weiter gepredigt. Weitere Schaulustige seien stehen geblieben, der Platz habe sich gefüllt. Laut Salih hatten sich einige muslimische Familien auch klar von der Aggressivität distanziert und sie verurteilt.

Polizeisprecher spricht von „aggressiver Stimmung“

Ein Polizei-Einsatzwagen sei dann auf dem Platz erschienen. Laut Salih hielt die Präsenz der Polizei die aufgebrachte Menge wohl vor körperlichen Übergriffen ab. Nach Abschluss der Predigt hätten die Polizisten die Christen daraufhin noch sicher zu ihrem Auto geleitet, da eine aggressive Gruppe sie weiterhin bis zu ihrem Auto verfolgt und bedroht hätte.

Der Polizeisprecher Stephan Widmann (Stuttgart) sagte gegenüber „Zeitkommentare“, ein Straßenprediger predigte „sehr laut“, „etliche Personen“ hätten über die Predigt „ihren Unmut kundgetan“. Es lägen keine Straftaten vor, aber es habe bei den Passanten eine „aggressive Stimmung“ geherrscht. Zum Glauben oder Nationalität der Passanten machte Widmann keine Angaben. Sowohl Salih als auch Widmann bestätigten, dass es keine Verletzte gab und auf eine Anzeige verzichtet wurde.

Eine Woche nach dem Vorfall predigte Salih mit seinem Team ohne erneute Bedrohungen bereits wieder am gleichen Platz. Salih sieht in dem Erlebnis auch Positives: Weil so viele Schaulustige gekommen seien, hätten „noch viel mehr Menschen an diesem Abend das Evangelium gehört.“ Salih ist Mitglied einer internationalen christlichen Gemeinde und predigt seit etwa 3 Jahren einmal die Wochen öffentlich in Stuttgart.

Straßenprediger Alan Haufe: „Es wurden schon Döner nach mir geworfen“

Der mit Salih befreundete Straßenprediger Alan Haufe (36 Jahre) aus Augsburg sagte gegenüber „Zeitkommentare“ über das Straßenpredigen, es gäbe „immer Leute, die verärgert sind“. Haufe: „Es wurden schon Döner und ab und zu Steine nach mir geworfen und Leute haben mich schon zum Zweikampf aufgefordert“. Aber er habe noch keine schlimmen gewaltsamen Erfahrungen gemacht. Haufe erhielt auch viele positive Reaktionen: Umarmungen, Leute weinten und erzählten ihm ihre Lebensgeschichte, kontaktierten ihn und forderten christliche Schriften bei ihm an.

Alan Haufe ist Erzieher der Initiator der seit 2017 jährlich stattfindenden Deutschen Straßenpredigerkonferenz in München. Er ist nach eigenen Angaben Mitglied einer brüdergemeindlich-geprägten christlichen Gemeinde. Er predigt seit 2013 fast jede Woche auf den Straßen das Evangelium und hat in der öffentlichen Straßenverkündigung bereits mit Salih zusammengearbeitet.

Alan Haufe, Straßenprediger aus Augsburg (Bild: privat)

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